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Foto von der Kardiologie

Kardio-CT

Die CT Untersuchung des Herzens ist eine Röntgenuntersuchung des Herzens mittels Computertomographie. 

Eine Röntgenröhre dreht sich spiralförmig mit hoher Geschwindigkeit um den Brustkorb und erfasst das Herz und andere Brustorgane (Lunge, Hauptschlagader) in dünnen Schichten.

Das Herz kann hierbei in nur wenigen Sekunden abgebildet werden, insbesondere werden  die Herzkranzgefäße gut dargestellt. In der Presse und im Internet wird diese Methode häufig als "unblutige Herzkatheteruntersuchung" beschrieben und beworben. Dies ist allerdings eine grobe Vereinfachung.

Man kann das CT des Herzens aus zwei Gründen einsetzen:

1. zur Kalkbestimmung in den Herzkranzgefäßen

Selbst kleinste Mengen kalkhaltiger Ablagerungen an den Gefäßwänden sind mit dieser hochempfindlichen Methode darstellbar. Dies bedeutet allerdings nicht automatisch, dass die Kalklablagerung auch zu einer Verengung des betroffenen Herzkranzgefäßes führt. Die Kenntnis über das Vorhandensein von Ablagerungen in den Herzkranzgefäßen könnte aber helfen, eine vorbeugende Therapie zu beginnen oder zu intensivieren (z. B. Behandlung mit einem Cholesterinsenker, bessere Diabeteseinstellung oder Nikotinstopp). 
Dauer der Untersuchung: ca. 5 min.

2. zur Darstellung der Herzkranzgefäße mit Kontrastmittel

Im Gegensatz zur Herzkatheteruntersuchung kann auf eine arterielle Punktion dabei verzichtet werden, allerdings nicht auf die Gabe von Kontrastmittel (über eine Armvene). Die Herzkranzgefäße sind etwa 2-5 mm dick und bewegen sich mit dem Herzschlag (60-80x/min in Ruhe). Erst mit Entwicklung der neuen Gerätegenerationen ist technisch eine ausreichend gute Auflösung gelungen ist, um diese feinen Strukturen ohne Unschärfen auf dem bewegten Herzen abbilden zu können. Nach wie vor stellen allerdings Rhythmusstörungen mit unregelmäßigem Puls und auch schneller, regelmäßiger Herzschlag ein technisches Problem dar. In diesen Fällen ist vor der Untersuchung die Gabe eines Beta-Blockers notwendig, um die Herzfrequenz zu senken und die Herzkranzgefäße scharf darstellen zu können. Außerdem muss während der Untersuchung immer wieder der Atem angehalten werden, weil auch durch die Atembewegungen des Brustkorbes Verwackelungen und Unschärfen auftreten.Die Bilder werden im Computer nachbearbeitet, und können auch dreidimensional rekonstruiert werden. Es handelt sich aber nicht um "echte", bewegte Bilder. 
Große Probleme bereitet nach wie vor die Beurteilung von stark verkalkten Gefäßen und von Stents, weil durch den Kalk oder die Metallstreben Überlagerungen entstehen.
Dauer der Untersuchung: ca. 20 min. 

Strahlenbelastung

Die CT Untersuchung erfolgt mit Röntgenstrahlen und führt zu einer Strahlenbelastung des Körpers. Auch wenn bei den neuesten Geräten die Strahlenbelastung wesentlich geringer geworden ist, muss man berücksichtigen, dass durch Röntgenstrahlen  mittel- und langfristig bösartige Tumore und  Blutkrankheiten entstehen können. Insbesondere bei Frauen liegt die strahlensensible Brust direkt im Strahlengang. Strahlung wird in "milli Sievert (mSv)" gemessen. Zum Vergleich ein paar Messwerte für übliche Strahlenbelastungen:

  • Natürliche Strahlenbelastung (in Deutschland): 2.5 mSv/Jahr
  • Transatlantik Flug: 0.03 mSv/Strecke
  • Röntgen Brustkorb: 0,1 mSv/Untersuchung
  • Mammographie: 0,7 mSv/Untersuchung
  • Herzkatheteruntersuchung: 2.5 – 5.0 mSv/Untersuchung
  • CT-Kalkbestimmung des Herzens: 1.3 – 1.5 mSv/Untersuchung
  • CT-Untersuchung der Herzkranzgefäße: 7 – 20 mSv/Untersuchung
  • Myokardszintigraphie (Thallium): 40 mSv/Untersuchung (Ruhe und Belastung)
  • Myokardszintigraphie (Technetium): 20 mSv/Untersuchung (Ruhe und Belastung)

Bei übergewichtigen Personen kann sich die benötigte Strahlenmenge noch erhöhen. Die Aufstellung zeigt, dass die Herzkatheteruntersuchung i. d. R. eine niedrigere Strahlenbelastung für den Körper darstellt als ein vollständiges Cardio-CT inklusive Darstellung der Herzkranzgefäße. Zudem wird auch beim Cardio-CT Kontrastmittel benötigt, auch wenn es über eine Armvene statt direkt in die Herzkranzgefäße appliziert wird. Die Gefahr einer allergischen Reaktion, die bei Kontrastmittelgabe immer zu berücksichtigen ist, ist aber gleich, egal über welchen Zugang das Kontrastmittel in die Blutgefäße gespritzt wird. Außerdem müssen vor jeder Kontrastmittelgabe die Nieren- und Schilddrüsenwerte bestimmt werden. Kontrastmittel kann die Nieren schädigen und durch den Jodgehalt eine Schilddrüsenüberfunktion verschlechtern. 

Vorteile des Kardio-CT:

  • schnelle und (bis auf die venöse Punktion) schmerzlose Untersuchung mit ausreichender Beurteilungsmöglichkeit der Herzkranzgefäße und/oder Kalkbestimmung
  • sehr gute Darstellung von Bypass-Gefäßen möglich (die ursprünglichen, körpereigenen Herzkranzgefäße sind allerdings meist zu verkalkt, um ihre Offenheit prüfen zu können)
  • sehr gute Beurteilbarkeit von angeborenen Anomalien der Herzkranzgefäße, die anders verlaufen, als anatomisch vorgesehen. Diese Anomalien sind insgesamt sehr selten und können bei einer Herzkatheteruntersuchung meist nicht ausreichend diagnostiziert werden 
  • Mitbeurteilung der großen herznahen Gefäße (Aorta) und der Lunge bei akutem Brustschmerz in der Notaufnahme
  • Eine Herzkranzgefäßverengung kann mit großer Sicherheit ausgeschlossen werden 

Nachteile des Kardio-CT:

  • erhebliche Strahlenbelastung, je nach Erfahrung des Untersuchers, Gerätetyp und Gewicht des Patienten
  • Kontrastmittelgabe in der Regel erforderlich
  • Durch die Kalkbestimmung in den Herzkranzgefäßen und eine dadurch frühere und verbesserte präventive Behandlung wurde bisher noch kein Nutzen für den Patienten nachgewiesen.
  • Auch durch andere Methoden kann ein erhöhtes Risiko für Herz-Kreislauferkrankungen nachgewiesen oder ausgeschlossen werden.
  • Falls im Kardio-CT eine Verengung an den Herzkranzgefäßen diagnostiziert wurde, muss zur weiteren Diagnostik und insbesondere zur Therapie (Ballon-Aufdehnung, Stentimplantation) doch noch eine Herzkatheteruntersuchung durchgeführt werden; das bedeutet aber eine weitere Strahlenbelastung und Kontrastmittelgabe.
  • bisher keine Kassenleistung, teuer
  • Bei Patienten mit Nierenschwäche, Kontrastmittelallergie, Schilddrüsenüberfunktion und schnellem Vorhofflimmern sowie bei starkem Übergewicht ist die Untersuchung nicht möglich.
  • Die internationalen kardiologischen Fachgesellschaften empfehlen das Kardio-CT bisher nicht als Routine- oder Vorsorgeuntersuchung, weil das Risiko-/Nutzenverhältnis für diese Untersuchung  aus den o. g. Gründen bisher noch nicht klar ist.

Kosten

Die Computertomographie des Herzens ist noch keine Leistung der gesetzlichen Krankenkassen. 

Patienten, die sich mit dem Kardio-CT untersuchen lassen möchten, haben keinen Erstattungsanspruch gegenüber ihrer gesetzlichen Krankenkasse, Beihilfestellen oder Berufsgenossenschaften und müssen die Kosten selber tragen. Im Internet wird z. T. eine erhebliche Werbung für diese Untersuchung gemacht und viel – unserer Meinung nach zuviel – versprochen. Wie bei jeder Untersuchung sollte eine exakte Fragestellung vorliegen und aus dem Befund auch eine Konsequenz gezogen werden können. Auf jeden Fall sollte Ihr behandelnder Kardiologe in die Befundung mit einbezogen werden und über die weiteren Maßnahmen entscheiden, damit sinnlose oder Doppeluntersuchungen schon im Vorfeld vermieden werden können.

Die privaten Krankenversicherungen erstatten die Kosten der Untersuchung in der Regel ganz oder zum Teil (je nach Versicherungsvereinbarung). Auch wenn dies den gesetzlich Versicherten zunächst ungerecht erscheinen mag, muss berücksichtigt werden, dass die Untersuchung nicht ungefährlich ist, viel Geld kostet und bislang noch keinen erwiesenen Nutzen hat.

Die Kosten liegen z. Zt. bei 500 – 700,–  Euro (Stand 8/11).

Löst das Kardio-CT den Herzkatheter ab?

In der Presse wird gelegentlich behauptet, dass die Herzkatheteruntersuchung durch das Kardio-CT ersetzt werden kann. Dies stimmt schon deshalb nicht, weil nach wie vor die Auflösung der Bilder beim Herzkatheter wesentlich besser ist. Zudem wird der Herzkatheter auch in Zukunft bei Verengungen der Herzkranzgefäße die Methode der Wahl bleiben, weil nur auf diese Weise mittels Ballonaufdehnung oder Stentimplantation die Verengung beseitigt werden kann. Es gibt keine andere Möglichkeit, die Herzkranzgefäße direkt zu behandeln. 

Wir führen diese Untersuchung nicht selbst durch, sondern arbeiten bei entsprechenden Fragestellungen mit einem Netzwerk spezialisierter Radiologen und Kardiologen zusammen, die mit dieser noch relativ neuen Methode bereits viel Erfahrung besitzen und über die neueste Gerätegeneration verfügen.