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Medizinisches Versorgungszemtrum Dres. Raulin und Kollegen

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Foto von der Gefäßmedizin

Infusionstherapie

Infusionstherapie mit Prostaglandin E1 bei arteriellen Durchblutungsstörungen im fortgeschrittenen Stadium

Medizinischer Hintergrund

Prostaglandin E1 wird seit vielen Jahren erfolgreich in der Behandlung von schweren Durchblutungsstörungen bei peripherer arterieller Verschlusskrankeit (pAVK, "Schaufensterkrankheit") in Form einer täglichen intravenösen Infusionstherapie eingesetzt. Der Wirkstoff ist vor schon vor vielen Jahrzehnten als eine körpereigene Substanz entdeckt und beschrieben worden, die den Menschen in gewissen Grenzen vor Arteriosklerose schützt (Nobelpreis Medizin 1964). 

Als Medikament zeichnet sich Prostaglandin E1 besonders durch folgende Eigenschaften aus: 

  • Es erweitert die arteriellen Blutgefäße und verbessert die Fließeigenschaften des Blutes. 
  • Durch Prostaglandin E1 wird die gestörte Funktion der Gefäßinnenwand günstig beeinflusst und der Austausch von Sauerstoff und Nährstoffen in dem durchblutungsgestörtem Gewebe verbessert. 
  • Durch eine Hemmung der Blutplättchen nimmt die Gerinnungsneigung des Blutes ab und die Auflösung kleiner Blutgerinsel ("Fibrinolyse") wird aktiviert. 
  • Darüberhinaus verringert Prostaglandin E1 den Fettgehalt in der Gefäßwandzelle. 

Prostaglandin E1 ist derzeit das einzige Medikament, das in Deutschland nach den Bestimmungen des Arzneimittelgesetzes von der Behörde für die schweren Stadien der Verschlusskrankheit zugelassen worden ist. Die Kosten dieser Therapie werden somit von allen Krankenkassen erstattet. 
In zahlreichen wissenschaftlichen Studien konnte aufgezeigt werden, dass bei ca. 70 % der Patienten bereits nach 5–15 Tagen die Ruheschmerzen deutlich reduziert bzw. beseitigt werden. Eine Tendenz zur Heilung von Geschwüren ist nach 14–20 Tagen erkennbar. 
Die Infusionstherapie wird mindestens 4 Wochen durchgeführt. Wochenendpausen können in der ambulanten Therapie in Kauf genommen werden und gefährden den Therapieerfolg nicht. Positive Langzeitergebnisse liegen auch nach der Behandlung mit Prostavasin vor. Sollte es wieder zu einer Verschlechterung der Beschwerden kommen, kann die Infusionstherapie jederzeit wiederholt werden. Wenn sich jedoch nach mindestens 3-wöchiger konsequent durchgeführter Infusion kein ausreichender Therapieerfolg zeigt, wird diese Therapiemaßnahme abgebrochen. 

Mögliche Behandlungsalternativen

Bei dem Krankheitsbild "arterielle Verschlusskrankheit" richtet sich die Therapie nach dem Ort und Ausdehnung der Gefäßveränderung sowie den möglichen Begleiterkrankungen. Wenn andere, vom Chirurgen bzw. Radiologen durchzuführende Maßnahmen nicht angezeigt sind, ist die konservative Therapie mit Prostaglandin ergänzend zu einem konsequenten Gehtraining Mittel der Wahl.

Risiken und mögliche Nebenwirkungen von Prostaglandin E1

Arzneimittel können neben den gewünschten Hauptwirkungen auch unerwünschte Wirkungen sog. Nebenwirkungen haben. Langjährige Erfahrungen mit Prostaglandin E haben gezeigt, dass die Therapie im Allgemeinen sehr gut verträglich ist. 

Dennoch kann es in Einzelfällen zu Nebenwirkungen kommen: 

  • Schmerzen, Rötungen sowie Schwellungen des infundierten Armes, die jedoch nach Beendigung der Infusion fast immer völlig verschwinden 
  • Kopfschmerzen 
  • gastrointestinalen Nebenwirkungen (z. B. Durchfall, Übelkeit, Erbrechen) 
  • Flush-Reaktion (Rötung des Gesichtes) 
  • Empfindungsstörungen 
  • Verschlechterung einer vorbestehenden Herzschwäche ("Herzinsuffizienz") 
  • Selten wurden folgende Symptome beobachtet: Blutdruckabfall, Herzrasen, Anstieg der Leberwerte, Veränderung der Zahl der weißen Blutkörperchen, Gelenkbeschwerden, Verwirrtheitszustände, cerebrale Krampfanfälle, Termperaturerhöhung, Schweißausbrüche, Schüttelfrost, Fieber, allergische Reaktionen. 

Prostaglandin E1 ist während der Schwangerschaft und der Stillzeit kontraindiziert. 

Art und Anwendung der Dosierung von Prostaglandin E1

Das Medikament wird heute in der Regel intravenös über die Armvene infundiert. Während eines stationären Aufenthaltes im Krankenhaus wird der Inhalt von z. B. 2 Ampullen Prostavasin® in 50–250 ml physiologischer Kochsalzlösung gelöst und über 2 Stunden infundiert. Diese Dosis wird 2 mal täglich gegeben. 

In der Praxis des niedergelassenen Arztes können ambulant auch 1mal täglich 3 Ampullen Prostavasin® in  50–150 ml physiologischer Kochsalzlösung über 2–3 Stunden infundiert werden. Aus Gründen der Sicherheit sollte prinzipiell die Infusionszeit von 1 Stunde nicht unterschritten werden. 

Abschluss der Infusionstherapie

Nach dem 4-wöchigen Infusionszyklus müssen weitere Maßnahmen zur Reduktion und Behandlung der Risikofaktoren für die arterielle Durchblutungsstörung beachtet werden. Ein Verzicht auf Nikotin ist unabdingbar, um das Therapieergebnis nicht zu gefährden.